von Raoul Langner

Nachdem uns auf der letzten Spiel die Idee für das Projekt Odyssee (PrO) kam, haben wir dieses in Tat umgesetzt. Hier nun der Bericht unserer Bemühungen und unseres Schaffens, zuerst wollte ich alles etwas witziger und lockerer schreiben, doch es ist recht ernst geworden. Aber es geht ja auch um ernste Angelegenheiten, insbesondere um das leidige Geld. Ich hoffe den nicht anwesend gewesenen Autoren und allen anderen Interessierten einen Einblick in unsere Arbeit verschaffen zu können. Letztendlich müsst Ihr (die Autoren !) entscheiden, ob wir nächstes Jahr wieder in Essen etwas veranstalten sollen. Erst danach stellt sich für uns die Frage, ob wir dies auch wieder können, ächz !

Wie bereits beim Nord – Con haben wir wieder einen blauen Stand aufgebaut. Die Tresenfläche bot zwei (max. drei) Leuten Platz zum präsentieren der Spielsysteme. Ferner haben wir noch die Homepage per Monitor den Gästen angeboten. Die gesamte Tresenfläche wurde von den Auslage- und Verkaufsexemplare eingenommen, weiterhin fanden noch zwei „blaue Hefter“, in denen alle Systembeschreibungen dargestellt sind, einen Platz. In Zukunft müssen wir uns wegen der Tresenfläche noch etwas einfallen lassen, da der Raum schon jetzt nicht mehr ausgereicht hat, und die teilnehmenden Systeme sicherlich noch ansteigen. Neben dem Tresen war ein kleiner abgeteilter Bereich der einer Spielrunde Platz bot, und von Besuchern nicht eingesehen werden konnte. Hier fanden während der Messe die Spielrunden statt. Der Tresen war mit blauen Stoff verhüllt, die Rückwände mit Raufasertapete weiß tapeziert. Mittig hatten wir das PrO – Logo angebracht, außerdem noch von diversen Systemen Poster und Cover an die Wände geklebt. Der Stand hätte sicherlich noch besser aussehen können, doch die Kritik war durchaus positiv. Gemessen an den anderen Ständen in Halle 6 waren mindestens genauso gut, wenn nicht besser. Vielen Autoren hat der Stand in Hamburg jedoch besser gefallen. Ich glaube aber, dass dort die räumliche Situation eine andere war, so dass man dies nicht ganz vergleichen kann.

In einem zwei Schichtsystem haben wir jeweils zu zweit - am Sonnabend zu dritt – die Besucher über die Rollenspielsysteme informiert. Zumeist interessierten sich die Gäste jeweils für ein ausgelegtes Regelwerk und blätterten darin, anschließend konnte man ihnen noch das Projekt vorstellen. In einigen Sätzen wurde der Sinn und Zweck von PrO erläutert und stets die Visitenkarte mit der HP – Adresse überreicht. Anschließend wurde der blaue Hefter mit den Systembeschreibungen erklärt und vorgestellt. Einige Gäste lasen interessiert darin, doch zumeist wurde das Interesse von den auslegenden Publikationen überdeckt. Hierzu wurden oft auch intensivere Fragen gestellt, die teilweise nur schwer für uns zu beantworten waren, da nicht jeder mit allen Systemen vertraut ist. In solchen Fällen haben wir die Besucher stets auf den Autor verwiesen. Mir aber einige Besucher aufgefallen die keine Internetverbindung haben, aber dennoch interessiert waren. In diesen Fällen war es schwer zu helfen, und sie wurden auf die Postanschriften der Autoren verwiesen. Wir haben daher die Idee den Systemorder als Publikation zu produzieren, welche die Gäste mitnehmen können, damit sie nicht ausschließlich auf die HP verwiesen werden müssen.

Die Gesamtzahlen der Besucher, die sich für unseren Stand interessiert haben, ist schwer zu schätzen. Der Donnerstag und Sonnabend waren die besucherstärksten Tage, was sich auch auf uns auswirkte. Vor allem war der Freitag ruhiger, dafür waren jedoch intensivere Gespräche mit den Besuchern möglich. Vor allem am Donnerstag war der Ansturm so groß, dass wir nicht alle Leute ausreichend informieren konnten. Allerdings war der Stand dafür auch einfach zu klein. Ich selbst habe drei Schichten a vier Stunden am Stand gearbeitet, in der Zeit habe ich mich mit schätzungsweise 50 Leuten unterhalten, mit 10 länger und intensiver Zeit. Meine Gesprächsbereitschaft nahm aber mit der Dauer der Messe kontinuierlich ab. Am produktivsten war daher insgesamt der Donnerstag. Dies liegt aber auch daran, dass die für das PrO interessantesten Gäste stets an diesem Tag die Messe besuchen. Dies ist unter „Insidern“ wohl auch hinlänglich bekannt. Nächstes Mal sollte man auf den Donnerstag daher das stärkste Gewicht legen, jeder Autor sollte versuchen an diesem Tag anwesend zu sein.

Bei der Präsentation hatten wir ein interessantes „Frauenproblem“. Unsere drei sehr engagierten Damen haben den Männern wirklich in nichts nachgestanden, dennoch wurden sie von Gästen so nicht wahrgenommen und nicht angesprochen. Teilweise wurden die Besucher sogar verschreckt, als sie von einer unserer Frauen angesprochen wurden. Besonders aufgefallen ist mir dies, als ich mit Yvonne und Alina zusammen eine Schicht hatte. Fast alle wollten nur mir sprechen und haben die beiden anderen geradezu ignoriert. Dies war auf dem Nord - Con völlig anders, eine wirkliche Erklärung haben wir dafür noch nicht gefunden. Ein Grund könnte darin liegen, dass die Besucher auf der Messe nicht damit rechnen, das sich eine Frau mit Rollenspielen auskennt, und daher sie nichts fragen wollen. Dies ist aber nur eine Vermutung, und für die Damen wohl wenig schmeichelhaft.

Ich denke das unsere Präsentation sehr professionell und wirkungsvoll war. Auf einer solchen Messe ist kaum mehr möglich, als bei den Leuten Interesse zu wecken und sie überhaupt auf das PrO aufmerksam zu machen. Das ist uns gut gelungen, Verbesserungsbedarf besteht bei unserer eigenen Kenntnis über die einzelnen Systeme. In Zukunft müssen wir uns hier einfach besser vorbereiten. Eine große Hilfe wäre es, wenn mehr Systemautoren vor Ort sind, dies entlastet vor allem bei Detailfragen.

Von den Spielrunden wurden insgesamt 4 angeboten. Jeweils zwei am Freitag und am Sonnabend. Am Donnerstag hatten wir leider keine Spielrunde. Christian (Degenesis) konnte seine versprochene Spielrunde – trotz Interesse – leider nicht anbieten. An dieser Stelle ein Dankeschön an Thomas (QER), der extra mit dem Nachtzug aus Berlin angereist kam, um seine Runde anzubieten. Außer Tom haben noch Michael (Duisi), Björn (Nachtbringer) und XXX ? eine Runde angeboten. Alle diese Runden waren gut besucht und fanden statt. Einige Probleme gab es mit dem Eintragen, die Messebesucher haben weniger Zeit und kommen eigentlich nicht zum spielen. Insofern gibt es starke Unterschiede zum Nord – Con, vielleicht sollte man eine noch kürzere Präsentation überdenken (1-2 Stunden). Die Interessen der Besucher sind auf der Spiel andere, die meisten möchten sich kurz informieren und dann weitergehen. Die Vielzahl der Autoren wünschen das nächste Mal eine offene Spielfläche, die von anderen Besuchern eingesehen werden kann. Wie wir dies verwirklichen können, muss noch genauer überdacht werden. Zum Teil wurde der Stand über diese Runden mitfinanziert, da jeder Autor DM 50,- pro Spielrunde an das PrO abführen musste. Wir haben lange überlegt wo wir Geld verlangen können und sollen, schließlich soll das Projekt jedem offen stehen. Die Unkosten müssen aber bezahlt werden, damit es das Projekt auch in Zukunft gibt. Hierbei sehen wir die gewisse Ungerechtigkeit, dass die anwesenden und helfenden Autoren zusätzlich bezahlen müssen, obwohl sie bereits extra angereist sind.

Die Verkaufsangebote gingen zufriedenstellend, ich hatte mir hier einfach größere Zahlen vorgestellt. Die Gäste sind als Käufer sehr kritisch, nur wenige waren bereit die Systeme zum ausprobieren zu kaufen. Aber es gab solche Kunden (meist haben sie gleich mehr gekauft). Festzustellen ist, dass für die Besucher die äußere Aufmachung ungemein wichtig ist, der Preis jedoch niedrig sein muss. Dies war z.B. bei Daidalos so, obwohl es inhaltlich höchst empfehlenswert ist, war es nur schwer verkäuflich. Es handelte sich um eine Ringbindung mit mäßiger Kopierqualität, der Preis betrug DM 16,-. Obwohl der Preis ausschließlich die Kosten deckte, war dies den Leuten nur schwer verständlich zu machen. Anders dagegen bei dem „Renner“ Degenesis. Hier haben wir 19 Stück für jeweils DM 22,- verkauft. Die Aufmachung ist professionell, und stimulierte zum Kauf. Sehr erfolgreich waren die Angebote auf CD, vor allem da die Cover sehr schön gemacht waren. Thyria wurde für DM 5,- sehr oft verkauft, so dass wir sogar CDs „nachordern“ mussten. Interessanterweise gingen die Regelwerke auf CD besser, als die einfacheren Papierversionen, daher meine Empfehlung dies für das nächste Mal in Betracht zu ziehen, da es kostengünstiger ist als Papierversionen. Beim Verkauf wurde die zweite „Geldschraube“ angesetzt, ein kleiner Teil wurde für die Unkosten des PrOs einbehalten. Als Provision verlangten wir 10% des Verkaufspreises, einige Autoren waren sogar so großzügig uns den gesamten Erlös zu überlassen. An dieser Stelle sei Dirk dankend erwähnt, der uns sein Laden – Fanzine „Mondbuchstaben“ zum Verkauf gespendet hat. Die Beträge hören sich immer lächerlich an, jedoch konnte damit der Vorhang bezahlt werden (Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!). Für den Verkauf ist der Blinkfang besonders wichtig, man muss den Besucher in wenigen Sekunden überzeugen, sich den Stand anzusehen, sonst geht er wortlos weiter. Eure Auslagen sind neben dem Äußeren des Standes entscheidend. In Zukunft solltet ihr vermehrt um Poster und ähnliches bemühen, möglichst groß und bunt. Leider interessieren sich die Besucher wenig für das abstrakte PrO und dessen Möglichkeiten, es musste einfach etwas ausliegen. Kurios ist dabei, dass auf euren Homepages sehr viel gutes Material zum kostenlosen Download bereitliegt, aber dies Wissen die Besucher gerade nicht, dies müssen wir ihnen erst vermitteln. Dazu müssen sie sich erst mal den Stand ansehen, ihr seht den Teufelskreislauf. Die Leute glauben nur an das was sie sehen, alles andere halten sie einfach für Versprechungen.

Mein persönliches Fazit von der Messearbeit ist äußerst positiv. Es hat mir großen Spaß und viel Freude gemacht. Seit der Messe sind die Hitzahlen der PrO HP auf 30 täglich gestiegen. In Essen konnten wir das Projekt einem breiten Publikumskreis bekannt machen, jetzt hängt es davon ab wie wir weitermachen. Sicherlich können und müssen wir noch allerlei verbessern, aber wir sind keine Profis. Mit den kommerziellen Ständen konnten wir durchaus mithalten und das ist doch ein Erfolg. Besonders wichtig sind eure Texte und Auslagen, daran muss fortwährend gearbeitet werden. Weiterhin solltet ihr möglichst persönlich anwesend sein, das ist am überzeugendsten. Und wir brauchen eure ehrliche Meinung zu unserer Arbeit.

Was in Zukunft geschehen soll, hängt von euch ab. Ziemlich fest steht unsere Beteiligung auf dem Nord – Con. Ob es nächstes Jahr auch wieder zu Spiel geht, hängt von zwei Fragen ab: Wollt ihr das, und wer bezahlt das. Dieses Jahr konnten wir den Großteil der Kosten über einen privaten Spender und Nexus e.V. abwickeln, das war aber nur eine Anschubfinanzierung und wird sich nicht wiederholen. Die Kosten für den Stand fallen so nicht wieder an, da wir ihn ja wieder benutzen können. Etwas billiger wird es nächstes Jahr also. Dennoch wird man mit DM 2000,- rechnen müssen. Durch den Verkauf und die Spielrunden werden wohl um die DM 500,- zustande kommen, es bleibt also noch eine große Lücke. Daher an euch die riesen Bitte: Macht euch über Sponsoren oder andere Finanzierungsmöglichkeiten Gedanken, sonst können wir in Essen nicht mehr präsent sein.

Zum Schluss noch alle PrO – Mitarbeiter die in Essen geholfen haben: Vanessa Bohrmann – englischsprachige Präsentationshilfe – Alina Gärtner – selbsternanntes PrO-Maskottchen – Sebastian Günther – Standbauer und Konstrukteur – Dr. Yvonne Joseph – Schneiderin und Doktorantin – Raoul Langner – as himself – Andreas Reimer – Messeorganisator und Nimer Yusef – Mann der Männer ....